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Hintergrund A – Punktraster

Projektvorstellung: Ausstellerkatalog Art & Design Messe

Ein historischer Vierseithof am Nordufer des Tegernsees. Galerien, die sonst in Basel, Miami und Maastricht ausstellen. Und dazu zeitgenössisches Design: Die ART & DESIGN Tegernsee ist 2022 auf Gut Kaltenbrunn in Gmund gestartet und hat sich seitdem als fester Termin der Kunstszene etabliert.

Von der ersten Ausgabe an gestalte ich den Ausstellerkatalog der Messe, in enger Zusammenarbeit mit der Gründerin und Veranstalterin. Designkonzept, Layout, Umsetzung und Produktionssteuerung liegen bei mir. 2026 ist die fünfte Ausgabe erschienen.

Ein Katalog, zwei Aufgaben

Ein Messekatalog für Kunst und Design steht vor einem Spagat: er soll die Messe repräsentieren und gleichzeitig ganz praktisch durch sie hindurchführen. Beides muss auf denselben Seiten funktionieren.

Marketinginstrument mit Anspruch

Der Katalog ist das Objekt, das Besucherinnen und Besucher, Sammler, Galerien und Partner mit nach Hause nehmen. Er bleibt, wenn die Messe längst abgebaut ist. Damit zeigt er auch künftigen Ausstellern und Sponsoren, in welchem Umfeld sie sich präsentieren können.

Für eine Messe, die bewusst klein und hochwertig auftritt, muss der Katalog dieses Niveau halten. Er soll eher den Auftritt eines Kunstbuchs haben, als den eines Wegweisers zum wegwerfen. Auch die Partnerseiten, etwa von Gut Kaltenbrunn oder regionalen Hotels, stören den Lesefluss kaum.

Nachschlagewerk für den Rundgang

Gleichzeitig ist der Katalog ein Arbeitswerkzeug. Er enthält:

  • das Grußwort der Gründerin
  • das Rahmenprogramm mit Tagen, Uhrzeiten und Formaten
  • ein Ausstellerverzeichnis mit Seitenzahlen
  • je Aussteller ein Kurzporträt, Kontaktdaten und ausgewählte Werke mit vollständigen Angaben
  • Essays und Texte zu den Gesprächsformaten, etwa „Was ist Kunst?“ (2022) oder „Design is not Art“ (2024)

Dass der Katalog gedruckt erscheint, gibt ihm mehr Gewicht: Informationstexte werden auf Papier nachweislich besser verstanden als am Bildschirm. Das ist ein Kernbefund der Stavanger-Erklärung, die 2019 von über 130 europäischen Leseforschenden getragen wurde und sich auf eine Metastudie mit 54 Studien stützt (Forschung & Lehre).

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Designkonzept und Layout

Das Konzept folgt einem Grundsatz: Die Werke stehen im Mittelpunkt, die Gestaltung ordnet und tritt zurück. Drei Entscheidungen tragen das.

Das quadratische Format

Der Katalog misst 21 × 21 cm. Das Quadrat ist neutral: Hochformatige Gemälde bekommen genauso viel Raum wie querformatige Fotografien oder Skulpturen: keine Kunstform wird vom Format benachteiligt. Aufgeschlagen ergibt die Doppelseite ein Panorama von 42 × 21 cm, auf dem zwei Werke nebeneinander wirken können. Und das Quadrat hebt sich in der Hand angenehm vom üblichen A4- oder A5-Prospekt ab.

Weißraum als Qualitätssignal

Viele Werke stehen allein auf ihrer Seite, mit großzügigen Rändern. Das ist kein verschenkter Platz. Weißraum lenkt den Blick auf das Wesentliche und vermittelt Wertigkeit. Die Konsumforscher Pracejus, Olsen und O’Guinn haben gezeigt, dass Weißraum in der Werbung eine über Jahrzehnte gewachsene Bedeutung trägt, die Gestaltende und Publikum teilen (Journal of Consumer Research, 2006). In einer Befragung von Kreativdirektoren nannten diese als Gründe für Weißraum unter anderem mehr Aufmerksamkeit, Fokus auf das Produkt und die Vermittlung von Prestige (Journal of Business Research, 2012). Genau diese Wirkung braucht ein Kunstkatalog.

Die Bildlegenden folgen der Konvention von Museen und Auktionshäusern: Künstler, Titel, Jahr, Material, Maße, Bildrechte. Klein gesetzt, kursiv und immer an derselben Stelle.

Ein festes Raster für sehr unterschiedliche Aussteller

Jede Galerie bringt ihr eigenes Logo, ihren eigenen Ton und ihre eigene Bildsprache mit. Damit der Katalog trotzdem wie aus einem Guss wirkt, hat jeder Aussteller denselben Aufbau: Name oder Logo, ein gesperrt gesetzter Kontaktblock, ein zweispaltiger Porträttext, danach die Werkseiten.

Dahinter stehen zwei Gestaltgesetze, die Max Wertheimer 1923 formuliert hat. Nach dem Gesetz der Nähe wird zusammengehörig wahrgenommen, was nah beieinander steht. Nach dem Gesetz der Ähnlichkeit gilt dasselbe für Elemente mit gleicher Form, Farbe oder Größe (kopf & stift). Wer einmal verstanden hat, wie eine Ausstellerseite funktioniert, findet sich auf allen anderen sofort zurecht. Das Rot aus dem Messeauftritt zieht sich als Leitfarbe durch, vom Umschlag bis zu den Seitenzahlen.

Umsetzung und Produktionssteuerung

Ein Ausstellerkatalog entsteht unter Zeitdruck und aus vielen Quellen. Der gestalterische Anspruch hilft wenig, wenn der Weg dorthin nicht sauber organisiert ist.

Viele Zulieferungen, ein Ergebnis

Texte, Werkabbildungen, Logos und Bildangaben kommen von jeder Galerie einzeln, dazu die Anzeigen der Partner und die Essays. Ich führe das Material zusammen, prüfe Bilddaten auf Auflösung und Druckeignung und gleiche Werkangaben und Bildrechte ab. Inhaltliche Fragen kläre ich direkt mit der Gründerin der Messe. Die kurzen Wege zwischen uns sind ein großer Teil dessen, warum das Projekt jedes Jahr funktioniert.

Bis zur Druckfreigabe

Kunstreproduktionen sind im Druck heikel. Ein Rot, das kippt, oder ein Blau, das stumpf wird, verändert das Werk. Deshalb begleite ich die Ausgabe bis zum fertigen Druck. Die finalen Druckdaten gehen jeweils rund zwei Wochen vor Messebeginn raus. Bis dahin laufen Korrekturschleifen, späte Programmänderungen und Nachlieferungen, die noch ins Raster passen müssen.

Fünf Ausgaben: gleiche Haltung, neue Inhalte

Das Grundkonzept ist seit 2022 stabil. Das ist Absicht: Wiedererkennbarkeit macht den Katalog zu einer Reihe, die man gerne sammelt. Verändert haben sich Umfang, Inhalte und Schwerpunkte, so wie sich die Messe selbst entwickelt hat.

JahrMessetageSchwerpunkt der AusgabeUmfang
202226. – 30. OktoberPremiere; Essays „Was ist Kunst?“ und „Was ist Design?“, Sonderschau mit Fotografien von Lawrence Schiller48 Seiten
202329. September – 3. Oktoberneue Gesprächsformate ART TALK, DESIGN TALK und MUSIC TALK52 Seiten
20243. – 6. Oktober„International Edition“, u. a. mit Berengo Studio aus Murano72 Seiten
20252. – 5. Oktober„(Re)Discovery!“: Bogen von der Gegenwart bis zu den Alten Meistern68 Seiten
20261. – 4. Oktoberfünf Jahre Messe; mehr zeitgenössische Kunst, Galerien von Berlin bis Kapstadt40 Seiten

Jede Ausgabe bekommt so ihr eigenes Gesicht, ohne die Familie zu verlassen.

Gestaltung, die dem Inhalt dient

Der Ausstellerkatalog der ART & DESIGN Tegernsee zeigt, was gutes Editorial Design leisten kann. Er repräsentiert eine Marke, ordnet sehr unterschiedliche Inhalte und gibt den Werken den Raum, den sie verdienen. Dass ich das Projekt seit der ersten Ausgabe begleiten darf, sehe ich als Vertrauensbeweis. Und als Beleg dafür, dass ein durchdachtes Konzept über Jahre trägt.

Du planst einen Katalog, ein Magazin oder eine andere Publikation, die gleichzeitig informieren und beeindrucken soll? Lass uns drüber reden!


vom Freiberufler bis zum Global Player vertrauen mir meine Kunden seit vielen Jahren.

Ich freue mich, Dein Projekt mit Dir zu verwirklichen!

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