Ein Elefant, der sich durch die Seitenwand eines Transporters bricht. Eine Horde Comicfiguren, die auf dich zustürmt, weil der Inventurabverkauf bald endet. Hinter beidem steckt künstliche Intelligenz – aber eben nicht nur.
KI ist in meinem Designprozess ein Werkzeug unter vielen, so wie Photoshop, InDesign oder ein guter Bleistift. Sie liefert Bildmaterial, das es vorher nicht gab oder das nur mit großem Aufwand zu haben war. Die Idee, die Komposition, die Typografie, die Druckdaten und die Verantwortung für das Ergebnis bleiben bei mir.
Wie das in der Praxis aussieht, zeige ich dir an vier Projekten für das Automobilforum Kuttendreier, ein Ford-Autohaus mit mehreren Standorten in München. Bei jedem erkläre ich, warum ich KI eingesetzt habe – und an welcher Stelle bewusst nicht.
Elefant und Gorilla: Trompe-l’Œil auf dem Firmenfahrzeug
Für die Nutzfahrzeug-Sparte des Autohauses habe ich Fahrzeugbeschriftungen gestaltet, die man nicht übersieht. Auf einem weißen Transporter bricht ein Elefant durch die Seitenwand, auf einem anderen steigt ein Gorilla aus der aufgerissenen Karosserie. Dazu kommen der passende Claim: „Ihr Nutzfahrzeug-Spezialist für jeden Bedarf.“, die Webadresse und ein QR-Code. Die Kampagne will sagen: ist der Bedarf auch noch so ungewöhnlich – wir haben das Passende für Sie.
Ein Trick, den es seit der Antike gibt
Trompe-l’Œil kommt aus dem Französischen und bedeutet sinngemäß „Augentäuschung“. Gemeint ist eine Darstellung, die so echt wirkt, dass das Auge sie einen Moment lang für real hält. Schon die Antike kannte diese Technik, das Bucerius Kunst Forum in Hamburg widmete ihr 2010 die Ausstellung „Täuschend echt“.
Ein berühmtes Beispiel für genau den Effekt, den ich hier nutze, ist Pere Borrell del Casos Gemälde „Flucht vor der Kritik“ von 1874: Ein Junge klettert darauf aus dem Bilderrahmen heraus. Auf einem Fahrzeug wirkt das noch stärker, denn die Fläche ist keine Leinwand, sondern Blech. Die Risskanten mit Lack, Grundierung und Rost behaupten: Hier wurde die Karosserie aufgerissen!
Und was in ganz groß funktioniert, funktioniert auch in ganz klein, wie die Maus auf dem Bild beweist.

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Warum KI – und wo die eigentliche Arbeit liegt
Ein Foto von einem Elefanten, der seinen Rüssel genau um den Türgriff eines bestimmten Transporters legt, gibt es in keiner Bilddatenbank. Ein Fotoshooting mit Elefant scheidet aus. Hier spielt KI-Bildgenerierung ihre Stärke aus: Tier, Pose, Blickrichtung und Licht lassen sich so lange steuern, bis das Motiv zur Geometrie des Fahrzeugs passt.
Genau diese Abstimmung macht den Effekt aus. Der Rüssel des Elefanten greift nach dem echten Türgriff, die Hand des Gorillas umfasst ihn. Das Motiv reagiert auf das Fahrzeug, statt nur draufzukleben. Kräftige Tiere passen außerdem zur Botschaft: Nutzfahrzeuge müssen etwas aushalten und anpacken können.
Danach beginnt das Handwerk, das keine KI übernimmt. KI-Bilder kommen in Auflösungen, die für eine Folie in Fahrzeuggröße nicht reichen. Sie müssen hochgerechnet, retuschiert, freigestellt und für den Großformatdruck aufbereitet werden. Dazu kommt die Platzierung von Claim und QR-Code und die Vorgaben für den Folierer.
Pop-Art für den Inventurabverkauf
Ein Inventurabverkauf lebt von Dringlichkeit: begrenzte Zeit, viele Fahrzeuge, gute Preise. Für diese Aktion habe ich Werbemittel in Pop-Art-Optik gestaltet. Eine Gruppe begeisterter Menschen stürmt mit aufgerissenen Augen und ausgestreckten Armen auf dich zu, darüber die klare Botschaft „Inventur-Abverkauf!“, darunter „Nur bis 31.8.!“.
Warum Pop-Art
Autohauswerbung folgt oft demselben Muster: glänzendes Fahrzeug, Preis, Logo. Die Comic-Optik bricht dieses Muster und fällt dadurch auf. Sie zeigt außerdem Gefühl statt Produkt: Der Ansturm auf die Angebote wird zum Bild.
Dass Pop-Art und Werbung zusammenpassen, ist kein Zufall. Roy Lichtenstein überführte die Bildsprache von Konsumgütern und Werbung in die bildende Kunst, die Rasterpunkte aus dem Comicdruck wurden sein Markenzeichen. Hier kehrt der Stil gewissermaßen dorthin zurück, wo er herkam.
Ein Motiv, unterschiedliche Formate
Die Kampagne lief über unterschiedliche Formate: Maxi-Bannerplane auf einem Anhänger, Kundenstopper im Verkaufsraum und Tischaufsteller an den Beratungsplätzen, Zeitungsanzeigen, E-Mail-Abbinder. Jedes Format verlangt eine eigene Komposition. Die Plane ist extrem breit und wird im Vorbeifahren gelesen, der Kundenstopper ist hochformatig, die Zeitungsanzeige will im „lauten“ Umfeld anderer Werbebotschaften wahrgenommen werden.
Das Motiv bleibt überall dasselbe – Typografie, Gewichtung und Satz der Inhalte und der Absenderblock sind dagegen klassische Layout- und Satzarbeit, damit das Motiv eben trotzdem nicht wie die typischen KI-Plakate daherkommt, die aktuell die Werbelandschaft fluten.

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Spendenanzeige: „Sie fahren. Wir spenden.“
Für eine Spendenaktion habe ich die Pop-Art-Sprache des Inventurabverkaufs wieder aufgegriffen und mit den CI-Vorgaben des Herstellers verknüpft.
Die Aufteilung ist klar: Oben steht im Ford-CI die Botschaft mit kurzem Erklärtext, Ford-Logo und QR-Code zur Buchung. Unten jubelt eine Gruppe Kinder in Sporttrikots. Der wiederkehrende Stil unterstützt, dass Leserinnen und Leser das Autohaus wiedererkennen, obwohl das Thema ein ganz anderes ist.
Dass die Kinder illustriert sind, hat einen weiteren Vorteil: wer echte Kinder in einer Anzeige zeigen will, braucht Einwilligungen. Bei Minderjährigen müssen die Eltern zustimmen, ab etwa 14 Jahren zusätzlich die Jugendlichen selbst. KI-generierte Pop-Art-Figuren bilden keine realen Personen ab. Sie transportieren die Begeisterung, ohne dass ein echtes Kind mit seinem Gesicht für eine Autohauswerbung stehen muss.
Echte Fahrzeuge vor KI-Bergkulisse
Für den Verkaufsraum war ein großformatiges Wandbild gewünscht, für das es so kein Motiv gab: vier Ford-Modelle vom SUV über Transporter bis zum Pick-up vor einem Alpenpanorama mit Almwiesen und Berggipfeln – passend zur Region des Händlers. Die Landschaft ist KI-generiert, die Fahrzeuge sind es nicht: sie stammen aus Original-Fahrzeugabbildungen und sind detailgetreu in die Szene eingesetzt.
Warum die Fahrzeuge Original bleiben
Bildgeneratoren sind stark bei Stimmungen, aber unzuverlässig bei technischen Details. Kühlergrill, Felgen, Scheinwerfer, Proportionen oder Embleme geraten schnell ein wenig anders, als sie in Wirklichkeit sind. Für ein Autohaus ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein Risiko.
Werbung darf nicht über die Merkmale eines Produkts täuschen, das regelt § 5 UWG. Wie genau Gerichte hinschauen, zeigt ein Urteil des OLG Hamm von 2015: Schon Zubehör auf einem Produktbild, das gar nicht mitgeliefert wird, kann irreführend sein. Ein Fahrzeug mit erfundenen Details wäre also nicht nur handwerklich unsauber.
Wie aus Einzelteilen ein Bild wird
Die eigentliche Arbeit liegt im Zusammenfügen. Perspektive, Größenverhältnis und Horizont der Landschaft müssen zu den Kamerawinkeln der Fahrzeugfotos passen. Lichtrichtung, Farbtemperatur und Schatten am Boden entscheiden darüber, ob die Autos auf dem Schotter stehen oder davor zu schweben scheinen. Die KI liefert die Bühne, die Fahrzeuge bleiben unangetastet.
Was die vier Projekte verbindet
In keinem der Projekte hat die KI entschieden. Sie hat Bildmaterial geliefert, das es so nicht gab: einen Elefanten in exakt der richtigen Pose, eine Pop-Art-Menschengruppe für jedes Format, eine Bergkulisse ohne Fotoshooting-Reise (Schade für mich). Was daraus wird, entsteht in denselben Schritten wie immer: Briefing, Idee, Konzept, Composing, Typografie, Reinzeichnung, Produktion.
Den Unterschied macht das Urteil, wo KI hilft und wo nicht. Beim Elefanten durfte sie frei gestalten, bei den Fahrzeugen war genau das ausgeschlossen. Diese Abwägung gehört zum Handwerk, genauso wie die Frage, ob ein Motiv rechtlich sauber ist.
Du willst kreative Werbemittel, die auffallen und funktionieren? Dann schreib mir.

